Daten für das Geomarketing

Daten für das Geomarketing – ein Überblick

In einer zunehmend digitalisierten Welt, in der Entscheidungen oft auf Daten basieren, spielt Geomarketing eine Schlüsselrolle bei der strategischen Ausrichtung von Unternehmen. Die Analyse räumlicher Informationen eröffnet eine Fülle von Möglichkeiten, um Marktpotenziale zu identifizieren und gezielte Marketingstrategien zu entwickeln. Durch die Verknüpfung von Geodaten mit Marktdaten können Unternehmen nicht nur ihre Zielgruppen besser verstehen, sondern auch Bewegungsströme, Standortpräferenzen und Kaufverhalten präzise abbilden. In dieser spannenden Schnittstelle von Geografie und Marketing entstehen innovative Ansätze, die weit über traditionelle Methoden hinausgehen. Doch was genau versteht man unter Geomarketing eigentlich und welche Prozesse finden dort statt? Mit diesen Fragestellungen werden wir uns im Folgenden beschäftigen.

Was ist Geomarketing?

Das Geomarketing als Teildisziplin des Marketings stellt eine innovative Methode dar, die räumliche Daten und Analysetechniken nutzt, um effiziente und gezielte Marketingstrategien zu entwickeln. Es gilt als Marketing-Mix, der traditionelle Marketingstrategien mit geografischen Informationen kombiniert, was eine neue Dimension in der Ansprache von Zielgruppen ermöglicht. Mithilfe von Geomarketing werden Daten, die einen räumlichen Bezug aufweisen, auf einer Landkarte verortet und visualisiert. Besonders die schnelle und anschauliche Visualisierung von mehreren Daten auf einer Landkarte sorgt dafür, dass die Unternehmen auf einen Blick eine datengestützte Übersicht als Grundlage für ihre unternehmerischen Entscheidungen heranziehen können. 

Die Nutzung des Geomarketings ist für Unternehmen in vielen Bereichen vorteilhaft und lokalisiert die Potenziale eines Unternehmens. So kann es beispielsweise zur Erhöhung der Effektivität und Effizienz von Marketingkampagnen kommen. Zudem werden durch die gezielte Kundenansprache Streuverluste reduziert und die Konversionsraten erhöht. Die durch das Geomarketing entstehenden personalisierten Angebote gewährleisten eine positive Ressourcenallokation sowie eine gesteigerte Zufriedenheit der eigenen Kunden, was ebenso förderlich für den Erwerb von Neukunden ist.

Aus welchen Teilprozessen setzt sich das Geomarketing zusammen?

Der Prozess im Geomarketing umfasst mehrere Schritte, die fundierte Marktanalysen sowie Marketingplanungen ermöglichen. Zunächst müssen beim Geomarketing relevante Daten datenschutzkonform gesammelt werden, wie beispielsweise demografische Informationen, geografische Daten, Verkaufszahlen, Kundenverhalten sowie weitere externe Faktoren (Wettbewerbsstandorte, Wirtschaftsdaten etc.). Dieses Datenmaterial kann sowohl aus internen Unternehmensquellen wie CRM-Systemen als auch aus externen Quellen wie amtlichen Statistiken oder Marktforschungsunternehmen stammen.

Daran anschließend folgt die effektive Analyse der gesammelten Daten mittels der Nutzung eines Geoinformationssystems (GIS). Diese Systeme ermöglichen die Visualisierung von Daten auf unterschiedlichen Karten wie digitalen Landkarten und helfen dabei, Muster und Trends für das Unternehmen zu identifizieren. Die Firmen können mithilfe der Karten auf vereinfachtem Weg bestimmte geografische Gebiete analysieren, um zu verstehen, wie Standortfaktoren das Kundenverhalten beeinflussen. Das liegt daran, dass die Karten wichtige Informationen in vereinfachter Form durch die Nutzung von Symbolen oder Textelementen darstellen und aufgrund der unterschiedlichen Färbung von Gebieten eine schnelle Analyse sowie Bewertung ermöglichen. Beispielhafte Geoinformationssysteme zur Erfassung, Bearbeitung, Organisation, Analyse und Präsentation von Daten sind die Softwarelösungen (auch Geomarketing-Software genannt) RegioGraph (z.B. RegioGraph Analysis), easymap (z.B. easymap office oder easymap professional), Map&Market oder QGIS.

Nach dem zweiten Schritt erfolgt die Segmentierung von Zielgruppen, indem die gesammelten sowie analysierten Daten in einzelne Gruppen eingeteilt werden. Das bedeutet, dass die Kunden, basierend auf den demografischen Merkmalen, dem Kaufverhalten oder den geografischen Standorten, in verschiedene übergeordnete Gruppen eingeteilt werden. Eine solche Segmentierung ermöglicht es, maßgeschneiderte Marketingstrategien zu entwickeln, die auf die Bedürfnisse und Präferenzen einer Zielgruppe zugeschnitten sind. 

Zusätzlich dazu ist die Standortanalyse ein entscheidender Aspekt des Geomarketings. Faktoren wie Kundendichte, Wettbewerbssituation, Verkehrsanbindung, Erreichbarkeit des Standortes etc. werden analysiert und bewertet, um herauszufinden, wo neue Filialen oder Verkaufsstellen eröffnet werden sollen. Diese Analyse hilft bei der optimalen Standortentscheidung, womit die Verkaufszahlen maximiert werden. 

Nachdem diese Schritte vollzogen wurden, versuchen die Firmen, auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse aus der Datenanalyse und Standortbewertung geeignete Marketingstrategien zu entwickeln. Diese Strategien können gezielte Werbemaßnahmen, Sonderangebote oder die Anpassung des Produktportfolios beinhalten, um den Bedürfnissen der bestimmten Zielgruppe gerecht zu werden.

Der letzte Schritt des Prozesses ist das Monitoring und die Anpassung. Die aus den zuvor durchgeführten Schritten gewonnenen Ergebnisse müssen überwacht werden. Durch das kontinuierliche Monitoring können Unternehmen die Wirksamkeit ihrer Maßnahmen bewerten und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen. Diese sogenannte Feedbackschleife ist entscheidend, um langfristig erfolgreich zu sein und sich schnell an Marktveränderungen anzupassen. 

Anwendungsbereiche

Es gibt viele verschiedene Bereiche, in denen das Geomarketing bei Unternehmen eingesetzt wird und nützliche Erkenntnisse sowohl für die Vergangenheit und Gegenwart als auch für die Zukunft hervorbringt. 

Diese Teildisziplin des Marketings ermöglicht die Erreichung des Unternehmensziels der Expansion. Unternehmen, die in neue Märkte eintreten oder ihre physische Präsenz erweitern möchten, können durch geomarketinggestützte Analysen wertvolle Erkenntnisse gewinnen. Diese Analysen helfen dabei, potenzielle Standorte zu identifizieren, die eine hohe Kundendichte aufweisen und strategisch günstig gelegen sind.

Die Standortplanung profitiert ebenfalls enorm vom Geomarketing. Unternehmen nutzen geografische Informationen, um optimale Standorte für Filialen, Büros oder Verkaufsstände zu ermitteln. Durch die Analyse von demografischen Daten, Kaufkraft, Konkurrenzsituation und Verkehrsanbindung können Unternehmen die besten Entscheidungen treffen, um ihre Sichtbarkeit und Erreichbarkeit zu maximieren.

Im Bereich des Vertriebs ermöglicht das Geomarketing eine gezielte Ansprache der Kunden. Durch die genaue Analyse von Vertriebsgebieten und Kundenverhalten können Vertriebsstrategien entwickelt werden, die gezielt auf die Bedürfnisse und Wünsche der Zielgruppe abgestimmt sind. Dies führt zu einer höheren Effizienz im Vertrieb und letztendlich zu einer Steigerung des Umsatzes.

Auch im Marketing spielt Geomarketing eine wichtige Rolle, denn hier können geografische Daten zur Ausgestaltung von zielgerichteten Kampagnen genutzt werden. Unternehmen können Werbung und Promotionen regional anpassen, um die lokale Kundschaft besser anzusprechen. So lassen sich Ressourcen gezielt einsetzen und die Kundenbindung erhöhen.

Ein weiterer wesentlicher Bereich ist das Controlling. Mithilfe von geomarketingbasierten Kennzahlen können Unternehmen ihre Leistungen an verschiedenen Standorten überwachen und vergleichen. Durch die Analyse von Verkaufszahlen, Kundenzufriedenheit und anderen Leistungsindikatoren lassen sich fundierte Entscheidungen treffen, die zur Optimierung der Geschäftsprozesse beitragen.

Daten für das Geomarketing

Damit das Geomarketing überhaupt betrieben werden kann, benötigen Firmen unternehmensinterne und -externe Potenzialdaten, die einen räumlichen Bezug aufweisen, wie beispielsweise Firmenadressen oder Gebiete. Die für das Geomarketing relevanten Daten lassen sich in die Oberbegriffe Geodaten, Marktdaten, Kaufkraftdaten sowie Standortfaktoren-Daten einteilen. 

Geodaten sind zeitbasierte Daten, denen auf der Erdoberfläche eine bestimmte räumliche Lage zugewiesen werden kann. Sie kombinieren in den meisten Fällen Standortinformationen und Attributinformationen (Datenmerkmale) mit zeitlichen Informationen. Das Datenmaterial kann sowohl statisch, wenn ein fester Standort angegeben wird, als auch dynamisch, wenn bewegliche Subjekte (Fußgänger) oder Objekte (Fahrrad, Virusverbreitungen) gekennzeichnet werden sollen, sein. Generell werden solche Daten mittels unterschiedlicher Quellen gesammelt, wie z.B. aus Umfragen, Satellitenbildern, Wettervorhersagen, Social-Media-Plattformen etc. Die zwei grundlegenden Formen der Geodaten sind Vektor- und Rasterdaten. Vektordaten sind Daten, in denen Punkte, Linien und Polygone bestimmte Gegebenheiten wie Häuser darstellen. Rasterdaten hingegen umfassen verpixelte oder gerasterte Zellen, die nach Zeile und Spalte identifiziert werden. Mittels dieser Rasterdaten können komplexe Fotos oder auch Satellitenbilder erschaffen werden. 

Marktdaten bzw. soziodemografische Daten enthalten Kundenmerkmale in definierten räumlichen Einheiten wie z. B. die Postleitzahl oder Gemeinde. Zu den am häufigsten nachgefragten soziodemografischen Daten gehören die Bevölkerungsstruktur mit der Einwohnerzahl, das Alter und die Kaufkraft.

Um Erkenntnisse über das Wohlstandsniveau und die Konsumentenbereitschaft in bestimmten geografischen Regionen zu erhalten, nutzen Unternehmen sogenannte Kaufkraftdaten. Diese Daten ermöglichen einen objektiven Überblick über die Konsumentenfreudigkeit nach Region, von bestimmten Personen- und Warengruppen.

Mithilfe der Standortfaktoren-Daten können Unternehmen ihren eigenen Standort analysieren, beispielsweise für die Filialnetzerweiterung nach den Einkaufslagen. Das bedeutet, dass die bereits vorhandenen Standorte der Firma untersucht sowie nach dem Kaufverhalten bewertet werden und als Grundlage für weitere Standortplanungen dienen. 

Zusammenfassung

Geomarketing ist eine innovative Methode der Marketingstrategie, die räumliche Informationen analysiert, um Marktpotenziale zu identifizieren und gezielte Marketingmaßnahmen zu entwickeln. Durch die Kombination von Markt- und Geodaten gewinnen Unternehmen tiefere Einblicke in Zielgruppen, Bewegungsströme und Standortpräferenzen. Der Prozess des Marketings umfasst mehrere einzelne Teilschritte wie die Datensammlung, die Datenanalyse, die Zielgruppensegmentierung, die Standortanalyse, die Strategieentwicklung sowie das Monitoring und die Anpassung. Damit allerdings das Geomarketing überhaupt ausgeübt werden kann, werden verschiedene Daten benötigt. Dabei gibt es vier wichtige Datenarten: Geodaten, Marktdaten, Kaufkraftdaten und Daten zum Standort. Dadurch, dass ein solches Marketing sowohl die Effizienz als auch die Rentabilität eines Unternehmens steigert, wird es in vielen verschiedenen Bereichen angewandt und wird zunehmend wichtiger.

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