Benjamin Beloch an der Landkarte

Kartografische Analysen und Auswertungen im Geomarketing

Kartografie im Geomarketing

Was ist Kartografie?

Im Allgemeinen beschäftigt sich die Kartografie mit der Darstellung von geografischen Informationen in Form von unterschiedlichen Kartenarten. Dabei werden die einzelnen Teilprozesse der Datenbeschaffung, Kartengestaltung und -verbreitung berücksichtigt. Dementsprechend werden in der Kartografie zunächst geografische Daten über die Welt sowie über gesellschaftliche Phänomene gesammelt. Im Anschluss daran werden die relevanten Daten ausgewählt, geordnet und auf der Karte mittels verschiedener Darstellungsformen wie beispielsweise Symbolen oder Farben visualisiert sowie transparent gemacht. Zuletzt erfolgt das digitale oder analoge Veröffentlichen der Karten sowie die Unterstützung der Kartennutzer bei der Auswertung. 

Nun kann die fertige kartografische Darstellung mithilfe einer kartografischen Analyse und Auswertung untersucht werden. Dabei wird sie systematisch und strategisch analysiert, indem sie in ihre Bestandteile zerlegt wird. Das Ziel dabei ist, die Inhalte, Strukturen und die zugrunde liegenden Informationen einer Karte zu verstehen. Zur Analyse der Geodaten und Geocodes werden unterschiedliche Methoden angewandt. Dazu zählt unter anderem die inhaltliche Analyse. Hierbei werden topografische, politische oder thematische Karten auf ihren Inhalt hin untersucht, sodass die dargestellten geografischen Merkmale und deren Beziehungen zueinander verstanden werden. Auch die Symbolanalyse sowie die Maßstabsanalyse gehören zu den Analysemethoden. Je nach kulturellem Kontext können Symbole unterschiedliche Bedeutungen aufweisen, weshalb die Untersuchung der Symbole und deren Sinn unabdingbar ist, um die Karteninformationen richtig zu interpretieren. Ebenfalls beeinflusst der Maßstab die Visualisierung der geografischen Fakten einer Karte. Aus diesem Grund sollte auch der Maßstab bei der Analyse betrachtet werden. Abschließend kommt es in der Analyse zur kartografischen Auswertung. Hierbei werden die gewonnenen Ergebnisse mittels eines Hintergrundwissens interpretiert, sodass brauchbare Schlüsse gezogen werden können.

Die Kartenerstellung sowie die Analyse und Auswertung können heutzutage mithilfe von Geomarketing-Softwares wie RegioGraph (z.B. RegioGraph Analysis), Map&Market, easymap (z.B. easymap professional), QGIS etc. durchgeführt werden. Dafür bieten einige Firmen Dienstleistungen an, die zum einen bei der Bedienung der Programme unterstützen und zum anderen selbst individuelle Analysen durchführen.

Wichtig hervorzuheben ist, dass man bei der Kartografie zwischen der theoretischen und der angewandten Kartografie unterscheidet. Bei der theoretischen Kartografie geht es um die Möglichkeiten und Ziele der Visualisierung von relevanten Karteninformationen. Im Gegensatz dazu beschäftigt sich die angewandte Kartografie mit der konkreten Erstellung der Karten sowie der fortlaufenden Anpassung der Karteninformationen.

Kartografie: Früher

Die Kartografie besitzt eine lange und faszinierende Geschichte, die sich über Jahrtausende erstreckt. Ihre Entwicklung lässt sich in mehrere Phasen unterteilen, die jeweils von den technologischen, kulturellen und wissenschaftlichen Fortschritten ihrer Zeit geprägt wurden. Die Anfänge der Kartografie reichen bis in die prähistorische Zeit zurück. Die ältesten bekannten Karten stammen aus dem alten Mesopotamien (ca. 2500 v. Chr.) und wurden auf Tontafeln angefertigt. Diese frühen Karten waren oft schematisch und stellten lokale Gegebenheiten dar, wie etwa die Anordnung von Städten oder Flüssen.

In der Antike entwickelte sich die Kartografie weiter, da man über mehr Wissen verfügte. Der griechische Gelehrte Anaximander (ca. 610–546 v. Chr.) gilt als einer der ersten, der eine Weltkarte entwarf. Ptolemäus, ein weiterer bedeutender Gelehrter des 2. Jahrhunderts n. Chr., verfasste das Werk „Geographia“, das nicht nur eine umfassende Sammlung geografischer Informationen enthielt, sondern auch die Grundlagen für die mathematische Kartografie legte, indem Koordinaten verwendet wurden. Ptolemäus‘ Karten wurden durch ein Koordinatensystem strukturiert und hatten großen Einfluss auf die europäische Kartografie im Mittelalter.

Im Mittelalter war die Kartografie stark von religiösen und mythologischen Vorstellungen geprägt. Es entstanden sogenannte T-O-Karten, die die Welt als eine flache Scheibe darstellten, die in drei Teile gegliedert war: Europa, Asien und Afrika. Diese Karten waren oft weniger präzise und mehr symbolisch als genau. Dennoch wurden auch in dieser Zeit einige bedeutende Fortschritte gemacht, insbesondere durch arabische Gelehrte, die das geografische Wissen der Antike bewahrten und erweiterten.

Die Renaissance (14. bis 17. Jahrhundert) brachte einen erneuten Aufschwung der wissenschaftlichen Neugier und das Streben nach Genauigkeit in der Kartografie. Entdeckungsreisen, wie die von Christoph Kolumbus und Vasco da Gama, führten zu einer stärkeren Nachfrage nach präzisen Karten. Martin Waldseemüller erstellte 1507 die erste Karte, die als „Amerika“ bezeichnet wurde. In dieser Zeit entwickelten sich auch Techniken wie die Verwendung von Astrolabien und Sextanten zur Bestimmung von Längen- und Breitengraden, was die Genauigkeit der Karten erheblich verbesserte.

Im 18. und 19. Jahrhundert erlebte die Kartografie eine weitere Revolution durch die Entwicklung der Lithografie und später des Offsetdrucks, wodurch Karten in großer Stückzahl und mit hoher Qualität produziert werden konnten. Die Erhebung von geografischen Daten wurde systematischer und man erstellte die ersten topografischen Karten. Auch die Nutzung der Eisenbahn und die damit verbundene Notwendigkeit genauer Karten trugen zur Weiterentwicklung der Kartografie bei.

Kartografie: Heute

Die Entwicklungen im 20. Jahrhundert und darüber hinaus haben die Kartografie grundlegend verändert und sie in eine neue Ära der Präzision, Interaktivität und Zugänglichkeit geführt. In diesem Abschnitt werden einige der wichtigsten Fortschritte und Trends in der modernen Kartografie näher beleuchtet.

Als technologische Revolutionen gelten die Luftbildfotografie sowie Fernerkundung und die geografischen Informationssysteme. Die Einführung der Luftbildfotografie während des Ersten und Zweiten Weltkriegs revolutionierte die Kartografie. Das Militär und die Geologen begannen, Luftbilder zur Kartierung und Analyse von Geländeformen zu nutzen. Diese Technik ermöglichte eine genauere Erfassung von Landschaften und half dabei, Karten mit höherer Detailgenauigkeit zu erstellen. In den 1960er Jahren führte die Entwicklung der Satellitentechnologie zu einem weiteren Sprung in der Kartografie. Mittels der Satellitenbilder wurde ein Überblick über die gesamte Erdoberfläche gewährleistet und es konnten globale Informationen, die wertvoll für die Erstellung von Karten sind, gesammelt werden. Diese Satellitendaten fanden Anwendung in mehreren Bereichen, von der Umweltüberwachung bis zur Stadtplanung. Die Entwicklung von geografischen Informationssystemen (GIS) in den 1960er und 1970er Jahren stellte einen Wendepunkt in der Kartografie dar. GIS ermöglicht die Erfassung, Speicherung, Analyse und Darstellung geografischer Daten in digitaler Form. Diese Systeme integrieren verschiedene Datenquellen und ermöglichen komplexe räumliche Analysen, die zuvor nicht möglich waren. Zudem haben die Systeme die Art und Weise, wie Kartografen arbeiten, revolutioniert.

Auswertung von Kundendaten auf einer digitalen Landkarte mit easymap professional.

Weiterhin entstanden die digitalen und interaktiven Karten. Mit dem Aufkommen des Internets in den 1990er Jahren erlebte die Kartografie eine weitere Transformation. Digitale Karten wurden populär und Plattformen wie Google Maps (2005) ermöglichten es Nutzern, Karten interaktiv zu nutzen. Diese Plattformen bieten nicht nur einfache Kartenansichten, sondern auch detaillierte Informationen, Routenplaner und die Möglichkeit, geografische Daten in Echtzeit zu aktualisieren. Somit konnten die Daten erstmalig in einer digitalen Karte eingezeichnet werden.

Die moderne Kartografie findet heutzutage in einer Vielzahl von Bereichen Anwendung, wie zum Beispiel im wirtschaftlichen Bereich. Deswegen wird im Folgenden dieses Feld näher beleuchtet und einzelne Anwendungsbereiche werden erläutert.

Kartografie im wirtschaftlichen Bereich

Besonders in dem Bereich der modernen Wirtschaft spielt die Kartografie eine entscheidende Rolle. Wie bereits oben aufgeführt, ermöglicht sie nicht nur die visuelle Darstellung geografischer Informationen, sondern auch die Analyse und Interpretation von Daten, die für wirtschaftliche Entscheidungen bedeutsam sind. Nun stellt sich die Frage, in welchen wirtschaftlichen Bereichen die Kartografie unter anderem Anwendung findet und einen optimalen Nutzen bringt.

Anwendungsbereiche

Als erstes Anwendungsbeispiel sind die Marktforschung und Standortanalyse zu nennen. Unternehmen nutzen kartografische Techniken, um Marktanalysen durchzuführen und geeignete Standorte für neue Filialen oder Produktionsstätten zu lokalisieren. Durch die Analyse von demografischen Daten, Kaufkraft und Wettbewerbsumfeld können Firmen fundierte Entscheidungen treffen. Auch im Bereich der Logistik und des Transports ist die Kartografie bedeutsam. Sie hilft bei der Routenplanung, der Optimierung von Lieferketten und der Analyse von Verkehrsströmen. Durch die Verwendung von Geoinformationssystemen können Anwender*innen effizientere Transportwege planen und somit Kosten senken. Zudem ist die Kartografie in vielen Branchen, insbesondere im Versicherungswesen und im Bauwesen, entscheidend für das Risikomanagement. Karten können verwendet werden, um potenzielle Risiken wie Naturkatastrophen oder wirtschaftliche Unsicherheiten zu erkennen und Strategien zur Risikominderung zu entwickeln. Das Marketing und die Verkaufsstrategien sind als weiteres Feld anzuführen. Firmen setzen Karten ein, um Zielgruppen zu segmentieren und gezielte Marketingkampagnen zu entwickeln. Durch die Analyse von geografischen Daten können Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen besser positionieren und ihre Verkaufsstrategien optimieren. Zusätzlich dazu ist die Kartografie ein zentrales Element in der Stadt- und Regionalplanung. Planerinnen nutzen Karten, um die räumliche Verteilung von Infrastrukturen, Wohngebieten, Gewerbe und öffentlichen Einrichtungen in der Region zu visualisieren. Durch die Analyse von Karten können Entscheidungsträger die Auswirkungen von neuen Entwicklungen auf bestehende Strukturen bewerten und nachhaltige Wachstumsstrategien erstellen. Zudem helfen Karten, die Bedürfnisse der Bevölkerung zu identifizieren und die Zugänglichkeit zu Dienstleistungen zu verbessern. Des Weiteren steigt in der heutigen Wirtschaft die Bedeutung des Umweltmanagements. Kartografische Techniken werden genutzt, um Umweltauswirkungen von wirtschaftlichen Aktivitäten zu analysieren und zu überwachen. Firmen können durch die Erstellung von Umweltkarten, die beispielsweise Luft- und Wasserqualitätsdaten darstellen, ihre ökologischen Fußabdrücke besser verstehen und Maßnahmen zur Reduzierung von Umweltauswirkungen ergreifen. Dies ist besonders relevant für Branchen wie die Landwirtschaft, den Bergbau und die Energieerzeugung. Auch in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft ist die Kartografie unabdingbar. Sie wird angewendet, um touristische Attraktionen, Routen und Dienstleistungen aufzuzeigen. Durch die Bereitstellung von detaillierten Karten können Touristen besser navigieren und ihre Reiseerlebnisse optimieren. Weiterhin besitzen die Firmen die Möglichkeit, im Tourismussektor durch die Analyse von touristischen Strömen und Präferenzen gezielte Marketingstrategien auszuarbeiten und ihre Angebote auf dem Markt entsprechend anzupassen. Als weitere Anwendungsbereiche können das Gesundheitswesen, das Finanz- und Versicherungswesen, die Agrarwirtschaft, der Energie- und Rohstoffsektor, die Immobilienwirtschaft, die Bildung und Forschung etc. aufgeführt werden.

Kartenillustration

Wie bereits herausgestellt, ist die Kartografie ein zentrales Element, das es ermöglicht, komplexe Daten in einer visuellen Form abzubilden. Durch die Kombination von mehreren Darstellungsformen schaffen Karten eine intuitive und zugängliche Möglichkeit, Daten transparent zu machen. Dadurch erhält man übersichtliche Landkartendarstellungen der jeweiligen Marktverantwortungsgebiete in unterschiedlicher Art und Weise. 

Die individuellen Markt- und Kundendaten werden in Form von Landkarten hervorgehoben, indem z.B. Symbole (wie beispielsweise Punkte oder Linien), Farben/Farbverläufe, Diagramme sowie kleine Texte relevante Geodaten wie die Standorte der Kunden, ihre Lager, ihre Adressen sowie Verkaufsgebiete kennzeichnen. Dabei werden neben den regionalen Gebietsstrukturen auf postalischer oder Verwaltungsbasis Straßenverkehrswege, Schwierigkeiten sowie Städte außerhalb des Raumes der Firma berücksichtigt. Die Kartenillustration kann alle, sowohl interne als auch externe, Daten wie Umsatz, Kaufkraft, Ertrag, Potenziale, Bevölkerungsstruktur etc. einbeziehen. Durch die stetige Aktualisierung der Datenbasis wird kontinuierlich der aktuelle Stand der jeweiligen Gebiete zur Verfügung gestellt, und mit dieser Visualisierung von Verkaufs-/Servicegebieten, Standorten, Umsätzen, Kunden, Potenzialen oder Gewinnentwicklungen wird die optimale individuelle Vertriebssteuerung der Anwender*innen gesteigert. Dementsprechend gewinnen die Anwender*innen eine auf Zahlen basierende Basis für die Entscheidungen im Vertriebsmanagement.

Natürlich gibt es bei der Kartenillustration ebenfalls Herausforderungen, die berücksichtigt werden müssen. Eine der größten Schwierigkeiten besteht darin, eine Balance zwischen Detailgenauigkeit und Übersichtlichkeit zu finden. Zu viele Fakten auf einer Karte können den Betrachter überfordern und die Verständlichkeit beeinträchtigen. Daher ist es wichtig, die relevanten Daten sorgfältig auszuwählen und sie in einer klaren und prägnanten Weise darzulegen. Ein weiteres Problem ist die Verzerrung von Erkenntnissen durch die Wahl der Darstellungsform. Die Art und Weise, wie Daten visualisiert werden, kann die Wahrnehmung und Interpretation der Informationen beeinflussen. Es ist daher wichtig, sich der potenziellen Verzerrungen bewusst zu sein und sicherzustellen, dass die Kartenillustration die Daten objektiv und genau widerspiegelt.

Zusammenfassung

Die Kartografie ist die Wissenschaft und Kunst der Erstellung, Analyse und Interpretation von Karten. Sie spielt eine entscheidende Rolle in vielen Bereichen, darunter Geografie, Stadtplanung, Umweltmanagement, Logistik, Marketing etc. Durch die visuelle Darstellung geografischer Informationen ermöglicht die Kartografie das Verständnis komplexer Daten und Zusammenhänge, die für die Entscheidungsfindung bedeutsam sind. Sie umfasst verschiedene Techniken, darunter die Symbolisierung von Daten, Farbcodierung, die Wahl geeigneter Kartenprojektionen und die Gestaltung des Kartenlayouts. Diese Elemente sind entscheidend für die Effektivität der Kartenkommunikation, da sie die Lesbarkeit und Verständlichkeit der Informationen beeinflussen. Eine gut gestaltete Karte kann Muster und Trends auf einen Blick sichtbar machen und die Interpretation von Daten erleichtern. Die Anwendung der Kartografie ist vielfältig. Sie wird in der Marktforschung zur Standortanalyse, in der Logistik zur Routenoptimierung und in der Umweltforschung zur Überwachung von ökologischen Veränderungen eingesetzt. Weiterhin spielt die Kartografie eine wichtige Rolle in der Bildung, indem sie geografische Konzepte vermittelt und das räumliche Denken fördert. Mit den fortschreitenden technologischen Entwicklungen wie der Integration von Geoinformationssystemen und der Nutzung von Künstlicher Intelligenz wird die Bedeutung der Kartografie in der modernen Welt weiter zunehmen, weshalb sie als ein unverzichtbares Werkzeug angesehen werden kann, mit dem räumliche Kunden- und Marktdaten sichtbar und fundiertere Entscheidungen in einer Vielzahl von Anwendungsbereichen getroffen werden. 

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