Transkription vom GRÜNDERstein Podcast: Dr. Fritz Jaeckel: Was macht eigentlich die IHK?

Intro:
GRÜNDERstein Podcast. Eine Initiative von Unternehmern für Unternehmer.
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge des GRÜNDERstein Podcasts. Heute sind Benni und Nico bei dem Geschäftsführer der IHK, Dr. Fritz Jaeckel, in Münster zu Gast. Es wurden viele spannende Themen angesprochen. Unter anderem erzählt Fritz, wofür die IHK eigentlich zuständig ist, was man bei der IHK unter Umständen noch verbessern könnte und warum Fritz selbst noch nie ein Unternehmen gegründet hat. Viel Spaß beim Zuhören.

Nico: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge des GRÜNDERstein Podcast. Benni, wir sind heute in Münster, wo sind wir denn hier in Münster heute?

Benni: Ja, heute sind wir bei der IHK zu Gast und wir haben den Geschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel heute im Podcast und ich würde sagen, stell dich mal ganz kurz vor: Wer bist du? Was machst du? Wo kommst du her?

Fritz: Ja, das mache ich gerne Benjamin! Ja, mein Name ist Fritz Jaeckel, ich bin promovierter Volljurist, ich habe meine Kindheit in Schleswig-Holstein verbringen dürfen und bin dann im Studium nach Bayern und Baden-Württemberg gegangen, hatte dazwischen auch noch Auslandsaufenthalte in Großbritannien und in Frankreich und habe dann 1994 in Münster promoviert, weil mein Hochschullehrer, der damals mit mir in Heidelberg schon gearbeitet hat, ich war dort ein wissenschaftlicher Mitarbeiter, der bekam in Münster einen großen Lehrstuhl und wir sind dann zusammen von Heidelberg nach Münster gegangen und dann habe ich 1994 entschieden, weil ich verschiedene Berufsoptionen hatte, so wie das immer nach dem Studium ist, dass man einen Berufseinstieg sucht, bin ich nach Sachsen gegangen, ich bin nach Leipzig gegangen und hatte eigentlich vor mit meiner Frau dort zwei Jahre hinzugehen und aus den zwei Jahren wurden 24. Ich habe in diesen 24 Jahren, also in der Aufbauverwaltung, in den neuen Ländern gearbeitet, sehr viel an der Schnittstelle zwischen Sachsen, Berlin und Brüssel, natürlich weil die EU-Politik bei der Förderung da im Wiederaufbau dort eine große Rolle gespielt hat.
Dann stellte sich die Frage: Was mache ich jetzt mit dieser Situation? Und dann haben wir als Familie beraten und wir haben dann den Mut gehabt zu sagen: Wir machen jetzt nochmal etwas ganz anderes. Ich habe mich dann bundesweit beworben, von München bis Hamburg und übrigens auch im Ausland Angebote gehabt, auch in den USA, vor drei Jahren in Boston nämlich und dann haben wir uns aber entschieden am Ende nach Münster zu gehen, weil hier in Westfalen einfach auch das interessanteste und vielseitigste Angebot unter den ganzen Optionen, die man dann so diskutiert und in einer Familie auch bespricht, wirklich erbracht wurde.
Ich fand die Aufgabe als Hauptgeschäftsführer der Industrie und Handelskammer Nord Westfalen deshalb so spannend, weil sie im Grunde genommen im Kern auch das Geschäft meiner ehemaligen politischen Arbeit fortsetzt, aber da kommen wir ja dann auch nochmal drauf, was die Rolle einer Industrie und Handelskammer ist. Das ist es vielleicht kurz: Ich bin verheiratet, habe drei Kinder und die halten mich auch gut in Trab.

Benni: Und die sind alle gut in Münster angekommen?

Fritz: Ja, also die sind sehr, sehr freundlich hier aufgenommen worden. Es war natürlich nicht ganz einfach am Anfang,ist klar, solche Veränderungen bedingen natürlich auch, dass man einen Schritt macht, dass man mutig ist.
Insbesondere für die Kinder war das eine Herausforderung, unsere Älteste war, als wir herkamen, 17 und ging dann also auch noch hier die letzten Jahre in die Schule, unsere Eva war 14 und Julian ist jetzt neun Jahre, zehn Jahre und ist dann im Alter zwischen sieben und acht hier nach Münster gekommen – und sind gut angekommen und sehr nett aufgenommen worden.

Benni: Ja, ich kann mich noch daran erinnern, 2018, als du das erste Jahr hier warst, sozusagen. Das war ja auch mein erstes Jahr bei den Wirtschaftsjunioren und ja, da habe ich auch deine Frau kennenlernen dürfen und ja es war eine spannende Zeit auf jeden Fall. Ortswechsel bei dir, man hat gemeinsam auch im Präsidium der IHK gesessen, aber da kommen wir ja gleich auch nochmal zu, was das genau ist, was die IHK eigentlich macht?

Fritz: Ja, also was ich vielleicht als ganz wichtig nochmal mitgeben kann für Menschen, die in so Karrieren sind: Man muss sich wirklich überlegen, wenn man so etwas macht, mach ich es mit oder ohne Familie und wir haben uns entschieden, dass wir dann auch sagen: Nein, dann zieht die Familie auch insgesamt um. Es gibt ja viele, die aufgrund von Funktionen, die vielleicht nur für fünf oder drei Jahre ausgeübt werden, dann ihre Familien an bestimmten Standorten zurücklassen.
Für mich wäre das nichts und ich sehe auch, dass das für alle schwierig ist, die so getrennte Familien und Berufsverhältnisse haben, also mein Rat, immer wenn ich gefragt werde, an junge Menschen ist auch: Seht zu, dass Ihr eure Familie als Struktur zusammenhaltet, wenn Ihr Familie habt!

Benni: Hätten die sowas mitgetragen, wenn du nach Boston gegangen wärst?

Fritz: Ja, also es war in der Tat so, dass ich ein Angebot von einer Wissenschaftsorganisation hatte, als Familie nach Boston zu gehen und es ist so konkret gewesen, dass wir im März 2018 unsere Kinder auf einer deutschen Schule in Boston schon angemeldet hatten und die Kinder dort auch angenommen waren.
Aber die Verhandlungen hinsichtlich der Konditionen, der Bedingungen dieser Berufstätigkeit in den Vereinigten Staaten, die gestalteten sich wirklich schwierig, weil Donald Trump an die Regierung gekommen war und man auch nicht so gerne ausländische Geschäftsführer für Wissenschaftsorganisationen aus Deutschland in den USA haben wollte, also die waren eher auch darauf aus, dass jetzt mal Amerikaner diese Funktion übernehmen sollten und deshalb waren die Vertragsverhandlungen einfach auch so, dass sie nicht konkret genug werden konnten. Wir haben damals übrigens bei der Anmeldung unserer Kinder 150 Dollar gelassen, das muss man auch machen, weil da gab es halt so einen Punkt, da mussten die Kinder angemeldet sein, sonst wären die in das nächste Schuljahr nicht gekommen und da die Vertragsverhandlungen dann einfach auch in Münster noch nicht so weit waren, also wir waren noch gar nicht so weit im Auswahlprozess, hatten wir dann gesagt: Okay, jetzt melden wir die Kinder an und die waren also sogar angemeldet und waren auch angenommen. Das war für die Kinder übrigens auch nicht gerade so witzig. Dann haben wir Ihnen irgendwann gesagt: Nee, wir gehen jetzt nach Münster. Die Ältere hatte natürlich gesagt: Oh wow, ich gehe jetzt mal zwei Jahre in den USA in eine Schule und dann auch noch in Boston, toller Ort, also die hatten sich dann auch so Erwartungshaltungen aufgebaut und das war eigentlich eine sehr aufregende Zeit.
Also wir haben das als Familie, als unglaublich bereichernd, aufregend natürlich auch und herausfordernd, das hat uns auch Kraft gekostet natürlich als fünfköpfige Familie mal eben so ein Move von Sachsen nach Westfalen zu machen, angesehen. Ich habe früher immer gesagt in meinem Familienkreis: Kinder, alles gut, wir gehen nicht nach Moskau, wir gehen nach Münster.

Benni: Ja, ist ja auch eine schöne Gegend hier.

Fritz: Ja, ist toll. Für Menschen, die Sport machen, ich fahre viel Fahrrad., also das war schon immer irgendwie toll hier in Westfalen, ist einfach klasse!

Benni: Ja, Münster ist ja eine Fahrradstadt und ich glaube da gibt es jetzt auch bei dem Ausschreibungsprojekt, irgendwas im Bund habe ich heute morgen gehört, einen Fahrradpreis.
Ja, sehr spannend.
Thema IHK. Kannst du ganz kurz einmal für unsere Zuhörer zusammenfassen: Was macht die IHK? Weil jeder kennt es vielleicht in irgendeiner Form von der Rechnung, die jährlich kommt, das ist ja eine Pflichtmitgliedschaft, die man hat, also außer man ist im handwerklichen Bereich. Kannst du das mal ganz kurz zusammenfassen?

Fritz: Also ich versuche das mal so ein bisschen herzuleiten, damit man die wesentlichen Punkte dieser Frage aufnimmt.
Am 12. Juli 2017 hat das Bundesverfassungsgericht nochmal entschieden, dass die Pflichtmitgliedschaften in den Industrie und Handelskammern verfassungsgemäß sind.
Dahinter liegt ein System, das man als Jurist mit der sogenannten mittelbaren Staatsverwaltung bezeichnet. Die Pflichtmitgliedschaft begründet sich auch insbesondere daraus, dass der Staat nämlich gesagt hat: Es gibt bestimmte Aufgaben, die wollen wir als Staat gar nicht verrichten, sondern die geben wir ab an eine Organisation, die das viel besser macht als wir, die dann aber bitte auch von der Gruppe, für die das gemacht wird, finanziert werden muss.
Diese mittelbare Staatsverwaltung, die kennen wir übrigens auch in der Rentenversicherung, die gehört auch zur deutschen mittelbaren Staatsverwaltung, die erfüllt also auch im Kern hoheitliche Aufgaben. Das machen wir natürlich in dem Kerngebiet, das wir verrichten, nämlich in der Bildung, Ausbildung und Fortbildung. Wir dürfen eben IHK Zertifikate und Prüfungszeugnisse ausstellen, wir dürfen zum Beispiel auch Sachverständigenvereinigungen vornehmen und Bestellungen vornehmen.
Das ist natürlich das Kerngeschäft, das eigentlich normalerweise der Staat machen müsste. Der Staat entlastet sich also von Bürokratielasten und damit natürlich auch von Steuerlasten, die er nämlich sonst selber erbringen müsste, indem er das Körperschaften des öffentlichen Rechts überträgt in diesem Fall eine Industrie- und Handelskammer und dann sagt: Die Gruppe für die das von Nutzen ist, die muss aber dann bitte auch durch Pflichtbeiträge zu dieser Staatsentlastung beitragen.
Ich glaube es ist verkürzt nicht immer nur zu sagen: Eine Industrie- und Handelskammer, die kostet uns nur Geld, da ist ein Beitragsbescheid fällig, sondern das Thema ist eher: Wollen wir in unserem Staatswesen diese Lasten komplett immer nur steuerfinanziert haben? Das würde auch bedeuten, dass wir natürlich als Bürger alle eine Steuerlast tragen oder sind wir eher auch bereit, eine Leistung zu finanzieren, die eben eigentlich fremdnützlich ist, nämlich in dem Fall für Betriebe, für Auszubildende, in der Fortbildung, für Fachkräfte, die sich weiterbilden wollen, für die Unternehmer, die tätig werden wollen zum Beispiel als Sachverständige, indem Sie im Bereich von Board-Technologie zum Beispiel oder bei ganz intriganten Fragen arbeiten, also wir haben hier zum Beipsiel auch Sachverständige für Tauch- Technologie, also da gibt es wirklich unglaublich viele Berufe, die natürlich auch das deutsche System ausmachen. Das macht uns im Grunde genommen auch als deutsche Wirtschaftsnation so stark, weil wir dort eben auch die duale Ausbildung, so bezeichnet man das eben auch immer über die Industrie- und Handelskammer, genauso übrigens auch bei den Handwerkskammern, gestalten und finanzieren.
Da neben gibt es zwischen dieser, ich sage mal so, der Säule der Erbringung hoheitliche Aufgaben, gibt es natürlich einen Bereich, der für die Regionalwirtschaft extrem wichtig ist.
Wir sind nämlich im Grunde genommen eine Bündelungseinrichtung für die Formulierung von politischen Interessen, die natürlich auch im Sinne der Wirtschaft sind und untereinander ausgeglichen werden müssen. Dabei sind wir nach der Rechtsprechung auch verpflichtet, die Mindermeinungen besonders stark zu berücksichtigen. Benjamin, du weißt das von den Sitzungen, die wir immer hatten, dass wir immer gesagt haben: Was ist eigentlich die Mehrheitsmeinung zum Beispiel zu einer Infrastrukturmaßnahme: Straßenbau, Flughafen, Münster/Osnabrück, aber wir müssen uns natürlich auch Gedanken machen, dass wir uns damit beschäftigen: Wie gehen eigentlich die Kritiker mit diesem Thema um? Also wir sind nicht nur dazu da Wirtschaftsinteressen zu transportieren und zu formulieren, sondern wir müssen sie auch in einen vernünftigen Ausgleich bringen.
Davon profitiert natürlich wieder jede staatliche Ebene. Wir sind in Münster hier, also der IHK Bezirk Nord Westfalen, ist mit zwei Mitglieder im DIHK Europa Board vertreten, einem Mitglied aus dem Ehrenamt, das macht Frau Budelmann und ich als Hauptgeschäftsführer und wir versuchen natürlich auch unsere Interessen aus der Region auf Brüsseler Parkett einzubringen und das Gleiche tun wir in Berlin und natürlich auch im Land. Diese Abschichtung ist ein sehr schwieriges Geschäft, ein sehr kompliziertes Geschäft. Wir können vielleicht nachher nochmal so ein/ zwei Beispiele diskutieren, damit man ein Gefühl dafür bekommt wie das in der Praxis ist. Die steht neben der Säule der hoheitlichen Aufgaben.
Also zusammengefasst: Wir sind eigentlich eine Einrichtung, die in mittelbarer Staatsverwaltung agiert, wir haben einen hoheitlichen Bereich, den wir erfüllen müssen und da neben, ich sage immer, gibt es so ein Freiwilligkeitsbereich, indem wir eben auch für die regionale Wirtschaft tätig sind in unglaublich vielen Netzwerken mit den Wirtschaftsjunioren, mit dem Münsterland e.V., mit der Westfalen Initiative, mit der Bezirksregierung, also das ist ein riesen Strauß von Themen, die man dann zusammenbinden muss und die bündeln wir. Das macht eben doch etwas aus, also die Stärke der Regionen in Deutschland ist auch davon abhängig wie gut und vernetzt in den Regionen, in solchen Organisationen gearbeitet wird.

Nico: Ich würde sagen, jetzt hast du mir direkt schon zu Beginn den Wind aus den Segeln genommen, weil ich ja im Grunde immer kritisch nachfragen wollte, aber ich bin direkt überzeugt worden, dass es eigentlich ja eine sehr sinnstiftende Institution ist.

Fritz: Trotzdem, Nico, kannst du kritische Fragen stellen.

Nico: Natürlich, die werde ich auch fragen. Eine kritische Frage wäre zum Beispiel: Warum ich, ich sage mal, als Gründer diese Information so gar nicht bekomme oder wieso dann nicht diese Aufklärung stattfindet, sondern da bekommst du die Nachricht: Ja, herzlichen Glückwunsch, dass Sie gegründet haben, Sie sind jetzt Pflichtmitglied und das ist übrigens der Preis, den Sie jetzt bezahlen müssen und nicht: Ja, du bist jetzt ein Pflichtmitglied bei uns, aber sieh mal zu, das und das und das und das sind die Vorteile, also so wie wir die jetzt gerade ja auch einmal gehört gekriegt haben. Wie kommt das, dass man da vielleicht nicht so abgeholt, will ich einmal sagen, wird?

Fritz: Ja, das ist ein super Punkt von dir, also das nehme ich auch mal gleich mit für meine Arbeit, wenn wir jetzt im Mai die Zielkonferenz haben, das nehme ich mir gleich mal als Notiz mit.
Das ist nämlich ein guter Punkt von dir, das ist etwas, was mich auch persönlich stören würde, wenn ich also durch meine Tätigkeit, die ich verrichtet, plötzlich irgendwie einen Beitragsbescheid bekomme und nicht wissen kann: Wofür zahle ich den jetzt? Was ist eigentlich die Gegenleistung dafür? Aber da muss man sehr aufpassen.
Diese Finanzierungsbeiträge sind ja nicht in einem Verhältnis von Leistung und Gegenleistung gedacht, also wie ich ja vorhin beschrieben habe, hat der Staat sich durch die mittelbare Staatsverwaltung von hoheitlichen Aufgaben entlastet. Das heißt, dein Mitgliedsbeitrag als Gründer, der trägt eben auch dazu bei, dass andere Unternehmen durch die IHK Nord Westfalen Ausbildungsverhältnisse professionell begleitet bekommen und ausgebildet wird. Das heißt also, es geht nicht darum, dass du dir eine Leistung einkauft kaufst, sondern es geht darum, dass du mit deinem Beitrag, den du uns zahlst, im Grunde genommen etwas tust für die gesamte Region und für die gesamte Wirtschaft, aber du hast trotzdem Recht.
Wir haben natürlich auch in unserem Haus Gründungs-Beratung, Start-Up-Beratung, wir haben Profis, die sich mit Finanzierungsfragen beschäftigen und es ist sicherlich angetan, dass wir dann auch einmal in den Kreis der jungen Beitragszahler, die zu uns kommen, ein bisschen darüber nachdenken, wie wir unsere Kommunikation da verbessern können.
Kommunikation ist immer ein Thema. Ich halte übrigens Kommunikation für immer unterbelichtet. Kommunikation ist, ich sage mir immer: Kommunikation ist immer schlecht, sie kann immer besser gemacht werden, es gibt immer etwas, was erklärt werden muss oder aufgeklärt werden muss. Insofern ist dein Punkt gut, das ist wichtig, nehmen wir mal mit, wie wir das vielleicht ein bisschen verbessern können.

Benni: Nico, jetzt hast du hast ja die Möglichkeit, das zu beeinflussen. Was erwartest du denn so? Ein digitales Onboarding bei der IHK oder was schwebt dir da so vor?

Nico: Das ist eine gute Frage, also was schwebt mir vor? Wie gesagt, der stand jetzt so wie ich ihn wahrgenommen habe, ist: Voilá und hier ist deine Rechnung. So und du bist jetzt Mitglied der IHK.
Vielleicht ist es genau so was, dass man vielleicht eine – ich weiß ja zum Beispiel es gibt ja ein totales Portal irgendwie, dass man da irgendwie mit so kurzen Videos beispielsweise, ich spinne jetzt einfach mal rum, geleitet wird und sagt: Hey, toll, dass du jetzt dabei bist. Das und das sind eigentlich auch die Chancen, weil im Grunde bietet die IHK ja auch eigentlich viele Weiterbildungsmöglichkeiten, Chancen und Vernetzungen an und dass man da vielleicht so ein bisschen ein Intro kriegt: Bei wem muss ich mich denn jetzt überhaupt melden? Ich habe vielleicht irgendwie eine Idee, ich will beispielsweise meinen 1. Azubi einstellen. Bei wem kann ich mich denn da überhaupt melden? Das schon so als erstes Entrée und nicht quasi dieses: Ja okay, dann schaue ich mal im Internet, google jetzt mal IHK Nord Westfalen. Mhh okay, ich klicke mich da durch die Seite. Wen kann ich denn nur anrufen? Sondern vielleicht habe ich schon ein Video als Erstes so als Einstieg bekommen mit einem Link, sage ich mal, in diesem ersten Schreiben, was ich bekomme, wo man dann beispielsweise mal gucken kann: Okay, was bringt mir das auch ruhig provokativ.
So eine richtig dicke Überschrift „IHK Mitgliedschaft? Was bringt mir das? Gucke dir jetzt dieses Video an.“ Ich glaube, dass man dadurch schon, gerade eine jüngere Zielgruppe, auch ganz schnell mit abholen kann und denen dann erst mal im Grunde, so wie du es ja gerade formuliert hast, das einfach vernünftig mal darlegt: Hey, das ist eigentlich ein Staatsauftrag, der hier stattfindet, den übernehmen wir und du trägst im Grunde mit deiner Gebühr dazu bei, dass das umgesetzt wird. Das ist ja eine ganz andere Wahrnehmung wie: Hey, zahl jetzt Geld und du hast keine Möglichkeit oder du kannst nicht wählen.

Fritz: Also gutes Stichwort, Nico. Digitales Onboarding, also das nehme ich mal mit in unsere Leitungskonferenz, die wir einmal im Jahr machen und natürlich auch unsere Geschäftspolitik dann fürs nächste Jahr so ein bisschen zu gestalten.
Wir haben hier in der IHK ja auch übrigens jetzt so eine kleine Möglichkeit geschaffen, wir haben uns hier ein kleines Studio eingebaut, also die Möglichkeit mit so einem Greenshot, wir sitzen ja gerade in einem Raum, in dem der auch rechts von uns steht, also wir hätten auch ein paar technische Möglichkeiten, das vielleicht auch ansprechend zu machen.
Das nehme ich einmal mit, das ist ein guter Punkt, denn das Wichtige ist natürlich auch, dass diese institutionelle Aufgabe, die wir haben, in die nächste Unternehmergeneration tradiert wird.
Wir müssen das ja auch vermitteln und wir müssen vor allen Dingen auch Akzeptanz und Legitimität schaffen und insofern halte ich das schon für wichtig, dass wir das mal angehen. Ich nehme das einmal mit, das ist ein guter Impuls. Vielen Dank!

Benni: Guck mal Nico, jetzt habe ich acht Jahre darüber mit dir gesprochen und heute erkennst auch du den Mehrwehrt.

Nico: Ja, da sind wir beim Stichpunkt Kommunikation, einmal vernünftig dargelegt und dann macht es auch Klick: Ah, okay, dann erkennt man den Mehrwert da drin.

Benni: Dabei habe ich dir so viele Vorteile erzählt.

Nico: Was mich noch interessieren würde, du hattest es gerade schon angesprochen. Ich glaube das Stichwort war „regionale Unterstützung“.
Wieso gibt es eigentlich so viele verschiedene IHK’s und wieso gibt es nicht einfach die Deutschland IHK, die dann im Grunde alles regelt aus einer Hand?

Fritz: Hochinteressante Frage. Das hat ein bisschen mit dem Herkommen zu tun. Also jetzt könnte man einen ganzen historischen Exkurs machen, aber das wäre jetzt ein bisschen zu viel.
Wir haben 79 Industrie- und Handelskammern in Deutschland, die in der Tat sehr unterschiedlich sind. Münster ist immer so gerankt, je nachdem um was es jeweils geht. Also es kommt immer darauf an, welche Fachaufgabe man sich anschaut, aber wir sind definitiv bei den Ausbildungs- und Bildungsfragen unter den ersten fünf und wir sind auch was so die Anzahl der betreuten Unternehmen angeht, sind wir auch eine der stärksten Industrie- und Handelskammern in Deutschland. Als ich mich hier beworben habe, habe ich so im Durchschnitt ein Ranking von Platz vier oder fünf gesehen. Ich will mal ein Beispiel nehmen, damit Sie verstehen oder damit Ihr das versteht draußen auch, die heute zuhören, wie das von den Zahlen her ist.
Wir haben in unserem IHK Bezirk Nord Westfalen 169 000 Unternehmen, die durch die Industrie- und Handelskammer vertreten werden und wir stemmen diese Größenordnung mit rund 170 Mitarbeitern.
Die IHK in Ulm hat 37 000 Unternehmen und hat auch 170 Mitarbeiter. Also da sieht man schon einmal so ein bisschen, wie viele Unternehmen tragen eigentlich zu dem Erfolg einer regionalen Wirtschaftsvertretung bei?
Wir haben Kammern, die sind noch viel kleiner. Wir haben aber natürlich auch sehr große, sehr starke Kammern, also wenn Sie mal die IHK Düsseldorf nehmen oder wenn Ihr mal die IHK Düsseldorf nehmt, das ist eine der Wirtschaftsstärksten Kammern in Deutschland. Die macht in einem Landkreis einen unglaublichen Umsatz, weil die dann natürlich auch Dax-Konzerne haben und entsprechende Betriebe.
Die Landschaft ist eigentlich im Grunde genommen ein bisschen die Abbildung auch der deutschen Wirtschaftsstruktur und wird auch sehr stark von den Ländern als föderales Element betrachtet. Wir sind Körperschaften des öffentlichen Rechts nach Landesrecht, also die innere Organisation der Körperschaften geht nicht nach Bundesrecht oder so etwas, sondern das liegt in der jeweiligen Gesetzgebungskompetenz der Länder und die Länder haben natürlich auch ein Interesse ganz verschiedene Wirtschaftsbereiche, Branchen, Sektoren, mal mehr ländliche Räume, industriell geprägte Räume, urbane Räume entsprechend vertreten zu lassen und schneiden auch natürlich im Einvernehmen mit den Industrie- und Handelskammern die Bezirke zu.
In meinem alten Wirkungsland, in Sachsen, gab es drei Industrie- und Handelskammern: Dresden, Leipzig und Chemnitz.
In Nordrhein-Westfalen gibt es 16 und damit sieht man natürlich auch, dass es eine Repräsentanz der Wirtschaftskraft aber auch der regionalen Besonderheiten ist.

Nico: Was ich mir ja gut vorstellen kann, ist natürlich toll, dadurch dass es viele kleinere gibt, dass man eher Bezug auf die Region nehmen kann, aber gestaltet es sich dann nicht als kompliziert, sage ich mal, Interessen in Brüssel mit einzubringen, wenn man wirklich dann ja fast 80 Einzelkämpfer im Grunde hat?

Fritz: Also es gibt natürlich wie bei allen Organisationseinheiten optimale Größen und man strebt natürlich als Geschäftsführung immer danach das Optimum zu erreichen. Ich muss aber sagen, dass die Größe, die wir hier haben, schon ziemlich interessant ist. Ich hatte ja die Zahl der Unternehmen insgesamt gesagt und die Zahl der Mitarbeiter. Das ist ein gutes Verhältnis und damit kann man auch unglaublich viel machen. Wir könnten mehr, wenn wir noch mehr Mitarbeiter hätten. Also ich sehe zum Beispiel, ich sage etwas ganz Konkretes für die Zuhörer, worum geht es da eigentlich?
Wir sind zum Beispiel derzeit extrem überlastet bei der Ausstellung von Ursprungszeugnissen in der Außenwirtschaft. Das ist auch ein Kerngebiet unserer Arbeit, auch hoheitliche Aufgabe. Wir bescheinigen Unternehmen, dass der Großteil ihrer Produkte made in Germany ist und damit sind sie auf den Weltmärkten natürlich zertifiziert und sie haben damit einen Qualitätsausweis, der sich natürlich auch im Preis niederschlägt. Wir haben aufgrund der Veränderungen der Exportmärkte und der weltwirtschaftlichen Situation, insbesondere der Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China, aber auch der Probleme mit der Türkei, ein unglaubliches Aufkommen an diesen Ursprungszeugnissen und eigentlich muss ich mal sagen, sind die Mitarbeiter in dem Bereich zurzeit wirklich Oberkante, also die bekommen natürlich Exportstarke Wirtschaftsregionen, Nord Westfalen, wir haben sehr viele erfolgreiche Hidden Champions und Wirtschaftsunternehmen, die weltweit tätig sind und wir bekommen da natürlich eine Vielzahl von sogenannten Anträgen auf Ursprungszeugnisse, die bearbeitet werden müssen. Da gebe ich mal so zu bedenken, dass man natürlich auch dann schlagkräftig und schnell ist, wenn man diese Vorgänge schnell bearbeitet. Die Kollegen schaffen das, sind da fleißig und sehr aktiv, aber da könnte man auch mehr Kraft reingeben.
Ich sage mal so: Das ist immer ein Abgleich zwischen der Größe eines IHK Bezirks und der Aufwendungen, die man natürlich durch den Personalbetrieb und solche Sachen hat und wir sind hier eher so aufgestellt, dass wir sagen: Wir wollen die Lasten für die regionale Wirtschaft in einem überschaubaren Maß halten.

Benni: Das heißt, wenn man mehr Mitarbeiter hätte in einer IHK, würde sich das auch wieder auf die Beiträge widerspiegeln.

Fritz: Ja, also das ist eine ganz normale betriebswirtschaftliche Rechnung.
Also wir haben ein Gesamtaufwand im Jahr und da wir keine staatlichen Zuschüsse bekommen, müssten wir die dann auf die Unternehmerschaft umlegen und deshalb sind wir eigentlich hier der Effizienz und der Effektivität auch verpflichtet und leben das auch.
Mit der Größenordnung von 170 Mitarbeitern Vollzeit Äquivalente, wir haben ein bisschen mehr Mitarbeiter, weil wir ja auch Teilzeitkräfte natürlich haben, viele Frauen übrigens auch beschäftigen, haben wir natürlich auch eine entsprechende Schlagkraft, aber die Zahl von Ulm ist ja auch einmal interessant. 37 000 Unternehmen und die haben genauso viele Mitarbeiter wie wir. Dann ist natürlich der Beitrag pro Unternehmen natürlich am Ende höher, das ist natürlich klar.

Benni: Und was sind da so die größten Themen, die ihr jetzt so im letzten Jahr dann beispielsweise hattet? Ist das Corona-Thema? Also Beihilfen für Unternehmen? Ich meine, ich kann mich daran erinnern, dass ja hier Samstags und Sonntags auch eine Hotline eingerichtet wurde, das war ja auch sehr personalintensiv. Waren das dann so Themen, die auch bei der IG dann aufploppen, um den Unternehmen zu helfen?

Fritz: Genau, also die Soforthilfenwelle. Corona beschäftigt uns jetzt seit 15 Monaten.
Ich bin aktuell mit der Bezirksregierung, Frau Regierungspräsidentin Feller damit beschäftigt, dass wir versuchen, die Betriebsärzte, die sich bei uns gemeldet haben von den größeren Unternehmen, auf den Weg zu bringen, dass sie Impfzentren einrichten können, das ist also ganz toll. Ich sage jetzt einmal hier BSF und Evonik zum Beispiel, die haben sich bei uns gemeldet und haben gesagt: Wir würden gerne mit unseren Betriebsärzten die Belegschaften impfen, warum können wir das eigentlich nicht machen?
Da versuchen wir ja jetzt, weil ja die Impfkampagne dann demnächst auch noch mehr hochlaufen soll, mehr Impf-Möglichkeiten geschaffen werden sollen, versuchen wir gerade diese Unternehmen dabei zu unterstützen, diese Impfstrecke aufbauen zu dürfen, um damit natürlich auch im Betrieb weiter in der Produktion tätig sein zu können, das ist ja auch in deren Interesse.
Eigentlich ist es so, dass wir jetzt einen Spannungsbogen von 15 Monaten haben, indem wir permanent unter Corona-Druck gearbeitet haben. Das fing mit den Soforthilfen an, das ging dann rüber, der Sommer war ein bisschen verhaltener, aber es ging dann weiter mit den Überbrückungshilfen eins/zwei, mit den Novemberhilfen, jetzt der Überbrückungshilfe 3, die gewährt wird und wir haben hier ganz konkret Unternehmen auch bei der Antragsstellung in den einzelnen komplizierten Verfahren helfen können. Das ist schon komplex, es ist mühsam und dahinter stehen auch Schicksäle. Es gibt auch Unternehmen, die scheiden aus dem Markt aus aufgrund dieser andemischen Lage.
Das war eigentlich unser Hauptgeschäft in den letzten Monaten. Dabei haben wir trotzdem nicht vernachlässigt, dass wir das Wasserstoff-Thema als Zukunftsthema haben und wir haben vor allen Dingen es geschafft, da bin ich den Kollegen in der IHK extrem dankbar, dass wir das ganze Prüfungsgeschehen aufrechterhalten konnten.
Wie frustrierend, es war eine große Sorge nicht? Wie frustrierend muss das sein, wenn man eine Ausbildung hat und man weiß: Okay, ich bin jetzt im August/September 2020 bin ich mit meinen Abschlussprüfungen dran und da kriege ich dauernd so Nachrichten, dass die Prüfungen nicht durchgeführt werden können, weil Corona Bedingungen sind. Was macht das mit den jungen Menschen, die auf den Punkt ja hin gelernt haben? Also wir haben auch Meisterprüfungen, die ja von den Prüflingen selber finanziert werden sehr häufig, das sind oft fünfstellige Beträge und dann kriegen sie einfach mal so gesagt: Nee, Entschuldigung, also jetzt im Herbst prüfen? Können wir nicht, kommen Sie nächstes Jahr mal wieder.

Nico: Das ist ja auch Gehalt, was einem dann ja flöten geht.

Fritz: Ja genau und die Leute können dann nicht an den Markt, das ist Gehalt, was einem verloren geht. Das hat uns echt auch in Trab gehalten und unsere Leute hier in der Bildungsabteilung unter dem Bereichsleiter Herrn Taut, die haben es wirklich gestemmt in Corona-Zeiten unter Anmietung der Halle Münsterland, unter Hygienebedingungen hier im Bildungszentrum das komplette Prüfungsgeschehen aufrechtzuerhalten. Das haben wir ganz still und leise gemacht, das hat niemand gemerkt, aber für die regionale Wirtschaft ist das natürlich extrem bedeutsam und da sind wir auch ein bisschen stolz drauf. Das hört man vielleicht jetzt auch ein bisschen, wenn ich das jetzt so erzähle.

Nico: Gerade war noch das Stichwort Wasserstoff, da wollte ich eben nachfragen: Was hat es damit auf sich?

Fritz: Wir haben aus unseren Industriebetrieben in dem IHK Bezirk Nord Westfalen schon seit etwa zwei Jahren das Signal, dass sich die Energiekosten immer weiter nach oben entwickeln, was auch an der Politik der Bundesregierung und dem Green Deal in Brüssel liegt.
Die CO2 Bepreisung führt dazu, dass Unternehmen teilweise sechsstellige zusätzliche Aufwendungen für ihre Energiekosten im Betrieb haben. Denkt einmal an so einen Betrieb, der zum Beispiel in der Oberflächenveredelung tätig ist oder Jemand, der in hohem Maße zum Beispiel Zigular Ziegelei Werke, die wir ja auch viele in der Region haben, CO2 verbraucht.
Die verbrauchen unglaublich viel CO2 und die kriegen jetzt plötzlich seit dem 1. Januar 2021 aufgrund des Klimaschutzgesetzes der Bundesregierung, bekommen die jetzt einen Bescheid über die Bezahlung ihrer CO2 Lasten, die sie haben. Das führt natürlich dazu, dass man unternehmerisch denkt und sagt: Was kann ich tun, um meinen CO2 Footprint zu verringern? Das ist ja auch genau das, was die Bundesregierung mit diesem Gesetz möchte.
Eine Technologie, die uns dabei möglicherweise helfen könnte, ist das Thema Wasserstoff.
Allerdings haben wir dort zwei große Probleme, will ich mal sagen. Das eine Problem ist: Wo bekommen wir den Wasserstoff her? Also die Produktion und Distribution von Wasserstoff und der zweite Punkt ist der Preis. Zurzeit ist Wasserstoff noch nicht als gut verfügbar anzusehen, das preislich sozusagen mit dem Mitbewerber Gas oder Öl mithalten kann und da werden wir sehr sehen müssen: Wie bekommen wir einen vernünftigen Preis? Ich sage mal so 5,5 Cent pro Kilowattstunde aus Wasserstoff, das wäre natürlich ein toller Preis, den man bräuchte, um Wasserstoff wettbewerbsfähig zu machen. Also wir liegen da zurzeit ungefähr bei dem fünffachen, vier- bis fünffachen und da ist es so wie immer, da plant die Regierung einen Markthochlauf. Ab 2023 will die Bundesregierung im Bereich der Wasserstoff-Technologie einen Markthochlauf haben und da sind wir sozusagen strukturell dabei, Bezirksregierung, Frau Feller und die Industrie- und Handelskammer in einer Arbeitsgruppe sozusagen die Rahmenbedingungen zu beschreiben, unter denen gemeinsam mit der Industrie, gemeinsam mit den Landkreisen in der Region, mit den Kommunen, weil alles, was passiert, passiert auf kommunalen Gelände, ins Gespräch zu kommen und zu sagen: Was müssen wir tun? Welche Rahmenbedingungen müssen wir schaffen, damit wir eine Region sind, in der eben auch künftig industrielle Tätigkeit vielleicht dann aber mit der Commodity Wasserstoff betrieben werden kann? Ein ganz dickes Brett, kompliziertes Thema.

Nico: Ja, so hört es sich auch an, also dass es da keine einfache Lösung gibt.

Benni: Jetzt komme ich nochmal wieder zu den Gründern zurück. Das heißt, wenn ich mich jetzt hier in der Region selbstständig mache und jetzt sagen wir einmal: Ich bin ein Online-Händler und verkaufe bestimmte Dinge über meinen Webshop. Das heißt, ich kann hier bei der IHK anrufen und bekomme jetzt erst einmal kein digitales Onboarding, das steht ja jetzt bei euch auf der Agenda, aber was kann ich jetzt im Prinzip hier machen? Ich rufe hier an und an wen kann ich mich wenden und wo wird mir weitergeholfen?

Fritz: Wir haben ein Team, eine Mannschaft, die sich mit dem Bereich Startup-Unterstützung beschäftigt. Die haben auch sehr gute Kontakte, also die Landingpages sozusagen, Herr Wolf, mit seinem Team. Dort gibt es verschiedene Mitarbeiter: Herr Meese, Herr Seeger, die sind im Bereich der Unternehmensförderung, Unternehmensgründung tätig und da kann man sich sehr genau danach erkundigen: Was muss jetzt eigentlich getan werden? Das fängt übrigens schon sehr früh an, also das ist nicht nur so, dass man schon als gegründetes Unternehmen dann hierher kommt und sagt: Kann ich eigentlich irgendwo interessante Finanzierungsmöglichkeiten finden? Sondern es ist schon im Vorfeld so, dass wir uns den Business Case anschauen mit den Unternehmern und dann darüber diskutieren.
Wir haben Erfahrung da, wir wissen um die Produkte, man muss auch Branchenkenntnisse haben und wenn wir die selber nicht haben, vermitteln wir die. Dann sorgen wir dafür, dass man in Gespräche kommt mit Persönlichkeiten, die sich in dem Bereich auskennen und dann wird das im Grunde genommen zu einer Begleitung der Lebensgeschichte. Man kann dann Unterstützung geben, wir haben gute Kontakte zu regionalen Banken, wir wissen, wen man da ansprechen kann. Die Personen hier im Haus verfügen auch über persönliche Kontakte und helfen den Unternehmerinnen und Unternehmern dann so ein bisschen in dieses Unternehmerleben, hineinzufinden, sofern sie dessen überhaupt bedürfen.
Viele, die das machen, sind schon sehr, sehr gut ausgebildet, haben sich auch kundig gemacht, aber es sind dann immer nochmal so ein paar Kniffe oder Tipps, die einen doch dann ein bisschen über die Zeit helfen und es ist ein persönlicher Kontakt, das höre ich immer wieder, das ist vielleicht ein zweiter Punkt, der auch bedeutsam ist und wichtig ist herauszustreichen. Das ist nicht irgendwie eine Hotline oder eine Nummer bei der man anruft, sondern die Leute kümmern sich persönlich um den Vorgang, lernen die Unternehmerinnen und Unternehmer kennen und begleiten die dann sozusagen auch durch Finanzierungsphasen, geben Tipps für Pitch-Konferenzen, also welche Art von Präsentation muss man machen? Da entstehen ganz interessante Netzwerke und Hilfestellungen/Unterstützungen, die eben auch von unserer IHK angeboten werden.

Benni: Aber das kriegt der Gründer kostenlos über den Beitrag.

Fritz: Das kriegt der Gründer kostenlos.

Benni: Okay und jetzt möchte der Gründer zum Beispiel mit seinem Online-Shop nach China was verkaufen oder nach Amerika. Unterstützt ihr den auch bei Export-Fragen etc.?

Fritz: Ja, wir haben natürlich ein tolles Netzwerk hinter uns stehen.
Wir haben 140 Außenhandelskammern weltweit und die Kollegen sind unglaublich hilfreich im Kontakt. Die vermitteln wir dahin und die helfen dann natürlich auch bei Markteintritten beziehungsweise auch bei Rechtsprobleme, die dann entstehen in der jeweiligen Region.
Ich habe gerade einen konkreten Fall im Kopf, weil du jetzt fragst. Ich kann natürlich jetzt nicht das Unternehmen nennen, aber ich habe jetzt gerade einen Fall in Marokko laufen, in der Außenhandelskammer in Casablanca, da gibt es rechtliche Auseinandersetzungen über Exporte, die in diese Region gegangen sind und da helfen wir aus dem Hintergrund der Außenhandelskammer, die dann wiederum Profis vor Ort haben, die eben mit derartigen Schwierigkeiten auch zurechtkommen oder wir haben auch einen Fall auf den Philippinen jetzt unlängst gehabt.
Da ging es um ein Produkt aus der Lebensmittelbranche. Die wollen das dann in den Markt importieren, unter welchen Bedingungen geht das? Zu wem muss man gehen? Brauche ich da Zulassungen? Brauche ich Genehmigungen von der staatlichen Seite? Das kann ich eigentlich nur bewältigen, wenn ich auf ein Netzwerk zurückgreifen kann, also für Unternehmen in Expansionen, die in den Export wollen, ist die Industrie- und Handelskammer und dann die Außenhandelskammer mit ihren jeweiligen Standorten immens bedeutsam. Es wird völlig unterschätzt, ist auch kaum bekannt.
Übrigens auch nochmal für die Frage von Beiträgen ganz interessant zu wissen, dass das Außenhandelskammersystem von der Bundesrepublik Deutschland vom Bundeswirtschaftsministerium auch finanziell stark unterstützt wird, also da sieht man nämlich das Interesse, das Deutschland hat. Im Grunde genommen ist das so, dass die Außenhandelskammern die Wirtschaftsabteilung der Botschaften sind. Also da ist auch wieder das gleiche Modell, das wir eigentlich inländisch mit den Industrie- und Handelskammern haben, ein bisschen anders finanziert, dort stärker durch Steuergeld. Dort werden also auch Steuermittel bereitgestellt, um das Außenhandelskammernetz aufrechtzuerhalten, weil es für die deutsche Exportwirtschaft natürlich immens wichtig ist, in den Zielmärkten vertreten zu sein.

Benni: Ja, das finde ich immer spannend, weil ich hab das ja auch damals mitbekommen,
Thema Datenschutzgrundverordnung. Das war ja hier in der IHK auch immer mal wieder Thema und man konnte da eben kostenfrei sich einfach mal anhören von einem Rechtsanwalt: Wie sieht das ganze Thema aus? Wo muss man drauf achten etc.? Wofür ja dann vielleicht auch andere Unternehmen, die den IHK Beiträgen immer so ein bisschen skeptisch gegenüberstehen, sich vielleicht ein Dienstleister organisiert haben, um dann einfach mal ein bisschen Input zu bekommen und dabei hat man es ja eigentlich bei der IHK direkt bekommen.

Nico: Ja, hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mir den Dienstleister sparen können, die Beratung, die externe.

Benni: Ja, aber es ist auf jeden Fall interessant, auch für die Gründer zu hören, was die IHK so bietet.
Aber jetzt nehmen wir einmal so einen Freiberufler. Das heißt, ich bin jetzt einfach Freelancer, erstelle irgendwie jetzt Websites oder ähnliches, dann bin ich ja nicht in der IHK.

Fritz: Doch, als selbstständiger Unternehmer bist du ein Kleinunternehmer.

Benni: Auch als Freiberufler?

Fritz: Also als Freiberufler unterliegst du anderen Regeln, aber wenn du Gewerbe betreibst, dann bist due wieder Pflichtmitglied in der IHK.

Benni: Ja, aber könnte der Freiberufler auch zur IHK kommen und sagen: Ich will auch an dem Netzwerk teilhaben und bezahl dann?

Fritz: Nein, er muss dann nichts bezahlen, also wir sehen das so: Uns ist jede Art von Dienstleistung willkommen, solange sie eben auf das Ziel der Unterstützung der regionalen Wirtschaft einzahlt. Das ist vielleicht so das Grundprinzip.
Wir haben auch Dienstleister, die sich an uns wenden und sagen: Lasst uns doch mal – zum Beispiel in der Digitalisierung. Da gibt es Unternehmen, die sind eben besonders stark im Bereich Cybersecurity oder die sind besonders gut bei der Angebotsseite von kleinen Cloud-Lösungen oder ein dritter ist besonders gut bei der Programmierung von HR-Lösung in einem kleinen Unternehmen, also die verwalten dann die gesamte Personalstruktur schon digital. Diese Nischenanbieter, diese Boutiquen, die sind natürlich bei uns auch deshalb willkommen, weil wir die über ein Netzwerk dann allen Unternehmen zur Verfügung stellen.
Wir haben hier vor drei Jahren aus dem schon bestehenden IT-Forum, das gab es schon als losen Verbund einzelner Unternehmen, die in der IT-Wirtschaft zusammenarbeiten, haben wir als IHK im Grunde genommen angeregt: Macht ein Verein und aus der Vereinsstruktur heraus, könnt ihr dann auch eine ganz andere Art von Formaten anbieten und mit dieser Gruppe setzt die IHK Nord Westfalen zum Beispiel den jährlichen Digital Summit um. Also wir machen jetzt im Mai wieder einen Digital Summit, der übrigens gestreamt wird, also den kann man auch dann tatsächlich den ganzen Tag online verfolgen, es ist ein riesen Erfolg. Wir haben vor drei Jahren begonnen mit so 250 bis 300 Unternehmern, letztes Jahr haben wir es digital gemacht mit 500 Teilnehmern, die auch fast den ganzen Tag präsent waren und wir sind mittlerweile in dieser Angelegenheit eine Adresse geworden, also da kommen dann von Amazon und von Google kommen also die Deutschland-Chefs und tragen da vor auf dieser Veranstaltung. Da sind natürlich diese Dienstleister, die Freiberufler, da sind die natürlich extrem erwünscht, dass die sich da vernetzen, dass die Kontakt miteinander bekommen und auch ein Unternehmen vielleicht man sagt, aus dem Bereich der Produktion eines Konsumgütersherstellers, dass die dann sagen: Ich brauche für meine Personalabteilung ein Personalerfassungssystem, ich brauche mal ein Tool, mit dem ich die Weiterbildung meiner Mitarbeiter monitoren kann und das möchte ich heutzutage digital haben.
Sie sind in einer Boutique tätig, im IT-Bereich, Sie machen so etwas, wollen Sie das nicht für meinen Betrieb machen? Das funktioniert relativ gut, also da wird Geschäft erzeugt durch die Netzwerkarbeit in der IHK Nord Westfalen.

Benni: Und wo kriege ich als Gründer die Informationen her? Das heißt, die Veranstaltungen stehen bei euch auf der Webseite.

Fritz: Die stehen auf der Webseite.
Den Auftritt verbessern wir natürlich auch immer weiter. Ich bin manchmal ein bisschen unglücklich über manche Auftritte, die wir da haben, aber das liegt einfach an der Technologie, die wir verwenden. Jeder kennt das, der sich mit Internet-Technologie beschäftigt, also das ist etwas, was man auch permanent optimieren kann und Niko, du hast ja vorhin gesagt, wir sollen nicht so schwere Fragen stellen, sondern die Frage „Was bringt mir die IHK“ beantworten und dann den kleinen Film dazu, vielleicht ist das auch besser so. Auch das ein bisschen lebhafter, jünger, moderner zu machen, das ist auch ein bisschen unsere Aufgabe.

Nico: Was mich noch interessieren würde ist: Ja, wir sagen ja gerade schon Kommunikation ist ein großes Thema und wahrscheinlich kriegt man viele Dinge gar nicht so mit, die die IHK quasi leistet zum Beispiel die Datenschutzverordnung, das hatte ich zum Beispiel auch gar nicht mitgekriegt. Hast du ein Thema, wo du sagst: Das ist total unterschätzt bei uns? Da haben wir eigentlich ein total super Angebot, aber irgendwie ist da bisher noch keiner drüber gestolpert oder es wird nicht so richtig angenommen.

Fritz: Gute Frage, Nico.
Es gibt eine Vielzahl von Produkten, die wir am Markt haben, bei der man oft sich fragt: Sind wir zu früh oder sind wir zu spät?
Das ist wie in einem Unternehmen, also wenn ich ein Produkt an den Markt bringe, frage ich mich ja auch: Erwische ich genau den richtigen Zeitpunkt oder bin ich First Mover oder bin ich jemand, der schon auf der Trittbrettfahrer- Stufe steht und eigentlich nur noch mit einer anderen Welle mitfährt? Das Problem haben wir hier auch. Ich will mal sagen: Ein Produkt haben wir gemeinsam mit der WWU Münster und der Handels-Hochschule in Leipzig aufgesetzt, da würde ich mich freuen, wenn das in den nächsten Jahren etwas stärker nachgefragt werden würde. Corona ist uns jetzt erst einmal dazwischengekommen, das setzen wir wieder auf. Ich will es mal ganz kurz beschreiben, das ist nämlich eine total interessante Sache.
Wir wissen nämlich, dass wir in unserem IHK Bezirk bis 2025 also in 5 Jahren 35000 Geschäftsübergaben haben werden und wahrscheinlich bis 2030 noch mehr. Möglicherweise beschleunigt sich das jetzt übrigens auch noch durch Corona. Ich höre von einigen Unternehmern, kleinere Betriebe, die sagen ich bin jetzt 62, 61 63, ich habe jetzt nicht mehr die Kraft nach Corona jetzt nochmal durchzustarten, ich will eigentlich meinen Betrieb abgeben. Dann kommen natürlich in solchen Betriebsübernahmen kommen junge Menschen als Nachfolger in die Betriebe und wir haben ein Produkt angeboten jetzt, dass wir eben gemeinsam mit der Handels-Hochschule und der WWU Münster als IHK auf den Weg gebracht haben, ich bin auch den beiden Partnern da sehr dankbar, dass sie diesen Weg mitgegangen sind.
Die WWU liefert nämlich über ihre Wirtschaftsinformatik die neuesten Erkenntnisse über die Digitalisierungsthemen und die Handels-Hochschule ergänzt das mit Management Kompetenzen auf dem neuesten Niveau. Also die liefern auch nochmal so: Was ist jetzt State of the art, wenn man also drei, vier Jahre aus einem Ausbildungsbereich draußen ist, man hat vielleicht sein Betriebswirtschaffsstudium abgeschlossen oder eine Fachhochschulausbildung gemacht, dann kriegt man dann nochmal so einen letzten Management-Schliff sowohl digital als auch natürlich in den Management Kompetenzen. Das ist natürlich gerade für junge Übernehmer oder vielleicht auch für den einen oder anderen Startup-Unternehmer, der in so ein Netzwerk kommen will, ein tolles Produkt. Wir bewerben das jetzt gerade und werden wahrscheinlich im Spätherbst den ersten Durchgang machen. Unser Ziel ist es natürlich über eine lange Zeitreihe dann so ein Alumni-Netzwerk entstehen zu lassen. Das sind immer so Kurse mit 20 bis 25 Teilnehmern, wenn es gut läuft wollen wir zwei Kurse im Jahr machen. Ich wäre aber schon mal dankbar, wenn es 25 im Jahr sind und jetzt muss man sich mal vorstellen: In zehn Jahren sind das 250 Leute, die durch so einen Kurs gegangen sind und wenn die zusammenbleiben, garantiere ich Ihnen, entsteht da Synergie, Zusammenschlüsse, da sagt man: Wollen wir nicht zusammen mal ein Unternehmen machen? Wollen wir nicht mal eine Tochtergesellschaft vielleicht zusammen machen, um auch die Wirtschaftsstruktur hier in unserer Region weiter in Schwung zu halten und da etwas anzubieten?
Das kostet aber auch Geld, das können wir nicht kostenfrei anbieten, weil die Partner, Handels-Hochschule und WWU, natürlich auch Kosten haben, die eben nicht durch den IHK Beitrag gedeckt sind.
Die Veranstaltungen finden hier in Münster statt und vielleicht auch in Leipzig, das müssen wir einmal sehen. Es gibt da interessante Startup-Szenen, nur um das mal ein bisschen interessant zu machen. Vielleicht kriegt man darüber auch einen Zugang.

Benni: Wie sieht allgemein das Startup Netzwerk hier in Münster oder in der Region Münsterland aus? Ich meine, wir haben ja immer mal vereinzelt Digitalhub, Reach, Venture Club, GRÜNDERstein, Start up Center etc. Also da gibt es ja vereinzelt immer mal wieder so Punkte, wo man sich dran wenden kann. Ist das noch ausbaufähig aus seiner Sicht?

Fritz: Ja, also es gibt unglaublich – Du hast ja gerade die Stichwörter genannt.
Es gibt unglaublich viele Unterstützungen für diesen Bereich der Neugründungen, vielleicht auch Startup-Szene, aber das ist auch schon so ein Buzzword, das überall benutzt wird. Im Grunde genommen geht es ja darum, dass junge Menschen sagen: Ich fühle in mir eine Unternehmertätigkeit. Ich finde das toll, Unternehmer zu sein. Ich will auch in dieses Risiko gehen und welche Chancen bieten sich mir in einer Region?
Da ist Westfalen generell, sagen wir mal so, vielleicht ein bisschen unterschätzt, was das angeht. Ich rede jetzt mal von Gesamt-Westfalen, also auch unter Einbeziehung von Dortmund, ein bisschen Bielefeld und so, was ich da so sehe und Bochum, auch Münster, auch bei Ihnen die Region Bocholt. Wenn man das natürlich vergleicht mit dem Hype, den es um Berlin oder auch insbesondere um die Baumwollspinnerei in Leipzig gegeben hat, dann denkt man manchmal Design uns weit vorausgeeilt. Das stimmt aber nicht. Die objektiven Zahlen deuten an, dass Nordrhein-Westfalen tatsächlich im letzten Jahr auf Platz eins der Startup Gründerszene war, was schlichtweg aufgrund der Größenordnung des Bundeslandes und natürlich auch der absoluten Zahl von Gründungen der Fall ist. Aber ich denke schon, dass wir viele positive Startup Entwicklungen haben und wir wecken damit auch Interesse.
Ich habe allerdings auch eine Sorge und die liegt darin begründet, dass wir natürlich keine klassische Technologie Region sind. Wir haben eben keine Technische Universität Dresden, wir haben keine TU München hier und wir haben auch keine Technische Universität Aachen zum Beispiel. Was wir haben ist: Wir haben eine sehr agile, technikorientierte Fachhochschule in Münster und wir haben auch eine sehr, sehr gut aufgestellte WWU, aber es ist eben keine Universität, die nun besonders stark im Technologie Feld tätig ist. Das wird sich jetzt mit der Batterie Fabrik und den damit notwendigen Kompetenzen, die in der Chemie gebraucht werden, natürlich auch verändern.
Wir sind stark in der Medizin, also ich könnte mir auch durchaus vorstellen, dass man an der Schnittstelle Medizintechnik, Digitalisierung auch noch sehr, sehr viele Felder hat, die gebraucht werden können. Die Niederlande schauen übrigens gerade sehr interessiert darauf. Medizintechnologiefragen, überhaupt das ganze Thema Pharmazie. Wie geht das weiter? Man sieht das ja an der Impfstoffentwicklung wie kompliziert und schwierig das alles ist. Also da gibt es Interesse, sich einfach mit unseren Themen zu beschäftigen.
Aber in der Summe würde ich mal sagen, die Startup-Szene hat sich in den letzten Jahren wirklich weiter gut entwickelt. Die Unternehmer haben ein Interesse daran zu sehen, die etablierten Unternehmen, Was machen Junge? Was tun die? Und wie kann ich mich mit denen zusammentun? Ich bin eigentlich ganz zuversichtlich, dass der Weg auch weiter fortgeschritten wird. Ich kann nur jedem empfehlen – Ich habe es gemacht, natürlich auch, weil ich in Sachsen gelebt habe, aber auch in Berlin einige Leute aus der Startup-Szene kenne. Ich empfehle immer mal dahin zu fahren einfach nur um zu schauen, was macht der Wettbewerb? Das ist nämlich hochinteressant, also ich bin mit meinem Bereichsleiter der Unternehmensförderung in Leipzig gewesen, in der Baumwollspinnerei, da kenne ich den Geschäftsführer und das war schon sehr beeindruckend wie da auf diesen alten Floors von dieser alten Baumwollspinnerei auf mittlerweile drei Stockwerken in so Boutiquenischen, Startup Unternehmen sitzen, die an verschiedensten Dingen arbeiten. Das war schon spannend, sich anzuschauen und die sind sehr offen. Einfach mal hinfahren, das lohnt sich! Könnte man übrigens mal als Wirtschaftsjunioren vielleicht mal eine Busreise unternehmen. Ist wirklich interessant, es lohnt sich wirklich sich das einmal anzuschauen.

Benni: Müsste man auf jeden Fall mal mitnehmen, wenn man mal wieder reisen darf.

Fritz: Ich kann Ihnen den Kontakt geben.

Benni: Um mal so ein bisschen auf die Zeit zu gucken. Ich meine wir haben jetzt das eine oder andere Thema mal angeschnitten, eigentlich müsste man wahrscheinlich noch mal eine Stunde dranhängen, aber ich würde sagen, wir kommen langsam zu unserer Abschlussfrage.

Nico: Ich habe auch noch eine Frage, dann stelle ich die Frage jetzt und zwar würde ich sagen, so wie ich dich erlebe, bist du ja ein zielstrebiger, ehrgeiziger Macher-Typ, sage ich jetzt einmal, wieso hast du nie selber irgendwie etwas gegründet?

Fritz: Oh, gute Frage. Ja, also das stimmt, ich bin unglaublich vielseitig ambitioniert. Also wir haben ja jetzt hier über den Job geredet. Also ich bin zum Beispiel leidenschaftlicher Windsurfer, also ich könnte meinen Tag auch anders verbringen. Ich fahre viel Fahrrad, ich mache unglaublich gerne Sport und du hast natürlich Recht, diese Frage habe ich mir auch schon gestellt und die habe ich mir auch schon früher gestellt.
Ich sage mal so: Mitte 50 ist die neue 30. Ich schließe nicht aus, dass ich das nochmal mache. Ich habe auch ein paar witzige Ideen, ich finde zum Beispiel, was in Münster fehlt, das habe ich nämlich mal in einer Universitätsstadt im Ausland, in Frankreich gesehen, es fehlt ein kleines Café, in dem an den Wänden einfach nur Bücher sind und zwar einfach bunt reingestellt, was immer da ist an Interesse. Ich bin auch sehr bibliophile, ich lese auch sehr breit, also auch viele verschiedene Sachen und ich interessiere mich für Literatur, für Kunst, für Musik, für moderne Literatur auch und was ich wirklich toll finde, wäre, wenn man mal so ein Café hätte, wo man sich einfach mal einen Kaffee holen kann, aber wo man sich dann umdreht und dann steht halt ein Graham Green hinter mir oder es steht auf der linken Seite ein Arthur Miller oder es steht auch mal ein Philip Roth im Schrank, den ich mir dann einfach mal herausgreifen kann und das da stehen lasse.
Das ist zum Beispiel etwas, das finde ich unglaublich faszinierend. Man sitzt in den Cafés und schaut immer nur Leuten zu, aber es könnte auch ein Ort sein zum Verweilen und einfach mal nur 35 Minuten in der Mittagspause ein Buch in die Hand zu nehmen. Also das wäre zum Beispiel etwas, da hätte ich Lust zu. Wenn mir da etwas über den Weg läuft…
Ich glaube auch, dass sowas nachgefragt wird und zwar von Menschen allgemein und da könnte man dann einfach auch mal ein paar Bücher rein stellen, die man auf einem Markt mittlerweile für einen Euro bekommt. Das ist ja alles verfügbar in tollen Ausführungen und da könnte man dann auch mal ein paar tolle Lesungen machen und da würden auch bestimmt ein paar Leute kommen. Also sowas ist zum Beispiel etwas, da denke ich immer, wenn ich mit dem Fahrrad durch Münster fahre: Sowas fehlt oder was mich auch immer wieder so ein bisschen anturnt ist: Das sieht man an den E-Bikes, ja.
Oft ist es so man muss nicht etwas neu erfinden, sondern man muss etwas verbessern, was schon da ist. Sieht man an den Rollern, also ich bin vor 10 Jahren mit dem Roller durch Dresden gefahren. Heute sind die TIER-Dinger unterwegs und mal zu schauen, ob da so ein Makerspaces in Gelsenkirchen, kommt mir nämlich gerade in den Kopf, wo Leute einfach zum Beispiel E-Mobil betriebene kleine Schiffe erproben. Die haben sich ein Surfbrett genommen und erproben das mit Batterietechnologie, wie das gesteuert werden kann und eben nicht mit Gas oder nicht mit Öl und nicht mit fossilen Brennstoffen.
Solche Dinge zu machen, das fände ich extrem spannend. Da gibt es unglaublich viele Optimierungsbedarfe, wenn man mit offenen Augen durchs Leben geht, da hätte man sicherlich auch mal die eine oder andere Sache machen können und das begegnet mir auch, da geht es mir wie dir, wenn du Dinge im Leben siehst, die du vielleicht auch gerne nochmal machen würdest.
Also ich schließe nicht aus, dass ich das nochmal mache. Ich sage oft zu meiner Tochter, die ist jetzt 19 und studiert ein naturwissenschaftliches Fach und oft sage ich zu ihr: Wenn du was entdeckst, sage Bescheid und dann überlegen wir mal, ob wir da nicht noch ein Unternehmen draus machen können, in der Analyse-Technologie oder in der Biologie oder was auch immer man da machen kann, also ich schließe das nicht aus.

Benni: Ihr könnt euch beim GRÜNDERstein bewerben.

Fritz: Aber für euch jungen Leute ist ja folgendes, ich meine, das ist auch übrigens ein Problem, das merkt man erst im Laufe des Lebens dann: Eine Entscheidung für etwas ist auch immer eine Entscheidung gegen viele andere Dinge und man muss sich einfach entscheiden.
Ich wollte zum Beispiel unbedingt, in meiner Jugend war das so, ich wollte unbedingt mal so eine staatliche Steuerungsaufgabe machen, das hatte ich mir immer als Berufstvorstellung gesucht. Ich hatte mal zu Freunden gesagt, vor 20 Jahren, so eine Staatssekretärsfunktion in einem Ministerium, das würde ich wirklich gerne mal machen und das ist gelungen, das war eine tolle Zeit und es ist aber auch gut, wenn ich jetzt nochmal wieder was ganz anderes mache. Ich kann eigentlich nur den Rat geben, auch mutig zu sein, wenn man irgendwie spürt, dass man nicht mehr so ganz 100% bei der Sache ist, dann eher zu sagen: Okay, wenn ich das irgendwie hinkriege, steuere ich um und schau halt zu, dass ich da irgendwie versuche, mit meinen Ideen weiterzukommen.

Benni: Eigentlich auch ein interessantes Schlusswort. Ich frage trotzdem: Dein Tipp für Gründer?

Fritz: Oh, da geht mir jetzt so viel durch den Kopf.
Also wenn ein Haus abbrennt, dann nicht lange damit hadern, neu aufbauen und zwar gleich damit anfangen. Nicht warten. Das ist vielleicht ein wichtiger Tipp, den ich auch in meinem Leben immer beherzigt habe. Das Leben wird nach vorne gelebt und nach hinten verstanden. Man sollte sich keine Zeit damit geben, mit Dingen zu hadern, sondern einfach die Dinge anpacken und das wird dann schon was. Das funktioniert, wenn man Ideen hat, fleißig ist, das ist übrigens unabdingbar notwendig!
Fleißig ist, sich einer Sache verpflichtet fühlt, dann angehen und loslegen. Das Leben weist einem dann schon den Weg, den man dann gehen muss. Nicht aufgeben, wenn man Rückschläge hat. Rückschläge gehören dazu, auch im Berufsleben. Die muss man einfach dann irgendwie einordnen in die Arbeit, in das Lebensumfeld, in dem man dann jeweils ist. Aber Rückschläge nicht als etwas nehmen, was einen irgendwie zurückwirft, sondern einen Rückschlag als etwas nehmen, aus dem man dann mit Kraft vielleicht auch wieder ein neues kreatives Potenzial schöpfen kann.
Das halte ich für extrem wichtig!

Nico: Ja, ein schönes Schlusswort. Jetzt ist es noch besser geworden.

Benni: Ja, dann würd ich sagen: Vielen lieben Dank für deine Zeit. Es war auf jeden Fall ein interessanter Einblick.

Nico: Definitiv. Ich bin überzeugt.

Benni: Sehr gut. Das wollte ich mit dem Podcast erreichen.
Ich hoffe unsere Zuhörer auch und sollten Fragen sein, kann man einfach auf ihk-nordwestfalen.de euch mal anrufen und fragen was ihr macht und wie einem weitergeholfen wird.

Fritz: Ja, weil mir das auch so gut gefallen hat und weil ich das jetzt selber auch sehr interessant fand, auch Eure Fragen, übrigens vielen Dank Nico und Benjamin für diese interessanten Fragen! Man denkt da ja auch beim Formulieren selber nochmal über sich nach und mir das mit den jungen Unternehmen wirklich wichtig ist, meine E-Mail: jaeckel@ihk-nordwestfalen.de. Wenn es was gibt, einfach schreiben, ihr kriegt eine Antwort.

Benni: Ja, vielen lieben Dank.

Nico: Das ist ein Angebot.

Fritz: Gerne.

Benni: Dann würde ich sagen, wir hören uns beim nächsten Mal. Bis dahin!

Schluss:
GRÜNDERstein Podcast. Eine Initiative von Unternehmern für Unternehmer.
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